Vom 28. Dezember bis zum 1. Januar fand in der Bildungsstätte Heiligenhof im unterfränkischen Bad Kissingen die Winterwoche des Arbeitskreises Sudetendeutscher Akademiker (ASA) statt.
Die stellvertretende ASA-Vorsitzende Ulrike Hampel hatte die traditionsreiche Veranstaltung vorbereitet. Sie verband Vorträge, Ausstellungen, Film, Exkursion und gemeinschaftliche Aktivitäten rundum den Jahreswechsel. Neben den offiziellen Programmteilen waren es vor allem die Gespräche untereinander, die den Teilnehmern dieser Tage auf dem Heiligenhof in Erinnerung bleiben werden.
Den Auftakt bildete der Vortrag „Vom Adel zur Aktivistin“ von Ulrike Hampel über Bertha von Suttner. Die in Prag als Gräfin Kinsky Geborene war die erste Frau, die mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, und eine der prägendsten Stimmender internationalen Friedensbewegung. Hampel zeichnete ihren Lebensweg als eine Abfolge von Brüchen und Umwegen nach und machte deutlich, dass gerade das Scheitern ursprünglicher Lebenspläne oft den Raum für eine größere, gesellschaftlich wirksame Aufgabe öffnet.
Am „Seminartag“ stellte der Historiker Peter Aifeld das Projekt „Erinnerungsnaht“ vor. Aifeld kam am 2. Oktober 1991 in Ajagus in Kasachstan zur Welt. 1996 zog seine deutschstämmige Familie nach Schweinfurt in Unterfranken. Er studierte an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg und war studentische Hilfskraft an der Forschungsstelle Deutscher Orden. Außerdem engagiert er sich bei der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland. Seit 2023 ist er Projektkoordinator für die russische Föderation im Landesteam GUS der Stiftung Verbundenheit mit den Deutschen im Ausland.
Das Projekt „Erinnerungsnaht“ hatte er 2022 als wissenschaftlicher Leiter verantwortet. Dessen Ziel ist, die Geschichten der Erlebnisgeneration über die Deportation der Deutschen in der Sowjetunion zu sammeln und für kommende Generationen Zugänglich zu machen. Aus den biografischen Recherchen entstand eine wissenschaftlich aufbereitete Plakatausstellung mit rund 40 Tafeln, die während der gesamten Winterwoche im Heiligenhof zu sehen war. Der Vortrag verband eine historische Einordnung mit eindrücklichen Einzelschicksalen und führte zu einer engagierten Diskussion.
Ein weiterer Programmpunkt war der Dokumentarfilm „Manchmal ist es schön, mit diesen Menschen zu sprechen“ von Wolfgang Spielvogel und Rainer Brumme. Spielvogel kam am 30. August 1945 in Barzdorf im ehemaligen Kreis Freiwaldau im Altvaterland zur Welt. Er überlebte als Kleinkind die Vertreibung und entdeckte sein Herkunftsgebiet erst im Alter von 70 Jahren neu. In dem Film begibt er sich gemeinsam mit seinem Sohn auf die Suche nach familiären Spuren und zeigt, wie deutsch-tschechische Verständigung heute gelebt werden kann. In der anschließenden Diskussion berichtete Spielvogel, dass er inzwischen spüre, dorthin zu gehören, Freundschaften geknüpft habe und weitere Projekte plane.
Schließlich folgten die Teilnehmer der Einladung des Heiligenhof-Studienleiters Gustav Binder zu einer Besichtigung von Bad Kissingen bei Nacht, die einerseits sehr informativ, andererseits bei der eisigen Kälte eine nicht geringe Herausforderung war. Der nächste Tag stand im Zeichen einer Exkursion. Am Vormittag erkundeten die Teilnehmer bei winterlicher Kälte die Altstadt von Karlstadt am Main, am Nachmittag folgte eine Führung durch das Jüdische Kulturzentrum Veitshöchheim mit Synagoge, Mikwe und ehemaligem Wohnhaus.
Der Silvestertag hatte traditionell zwei Höhepunkte. Am Vormittag führte eine winterliche Wanderung über den Weg der Besinnung nach Garitz zum Grab von Erich Kukuk, des jahrzehntelangen Heimleiters des Heiligenhofs, um mit einigen heimatlichen Liedern seiner zu gedenken. Seine Witwe Traudl Kukuk dankte anschließend den treuen Besuchern mit einem wärmenden Obstschnaps. Unübertroffen war schließlich das abendliche Silvesterbuffet, das das engagierte Heiligenhofer Küchenpersonal bereitgestellt hatte. Es war zunächst ein optischer und dann ein lukullischer Genuss. Der weitere Silvesterabend im gemütlichen Bertha-von-Suttner-Saal des Neubaus verging kurzweilig mit Beiträgen der Teilnehmer. Das neue Jahr wurde traditionell mit einer Fackelwanderung begrüßt. Und von einem erhöhten Aussichtspunkt genossen die sudetendeutschen Akademiker das Feuerwerk über Bad Kissingen.

